Island's Golden Circle - Zwischen Disneyland und Naturwunder

Wenn es in Island um Ausflüge geht, kommt man um ihn nicht herum: Den Gullni hringurinn, den Golden Circle. Durch die Nähe zur Hauptstadt Reykjavik ist der Goldene Ring gut an einem Tag zu besichtigen und bietet mit Wasserfällen, Geysiren und einer tektonischen Grabenbruchzone einen hervorragenden und vielseitigen ersten Eindruck der Insel. Durch die beeindruckenden Sehenswürdigkeiten und die gute Erreichbarkeit hat sich der Golden Circle allerdings auch zur meistbesuchten Route des Landes entwickelt. Fast jeder der Millionen Island-Besucher hat diese Tour irgendwie auf dem Zettel. Lohnt sie sich trotzdem? In diesem Blog-Artikel schildere ich dir meine Eindrücke des Golden Circle.

Die Landschaft entlang des Golden Circle ist facettenreich.

Die Landschaft entlang des Golden Circle ist facettenreich.

Geothermalgebiet Haukadalur

Das Gebiet wurde früh durch den sogenannten „Großen Geysir“ bekannt, welcher bereits im 13. Jahrhundert erstmals beschrieben wurde. Er gilt als ältester bekannter Geysir und war der Namensgeber für alle geothermalen Springquellen (isländisch geysa – in heftige Bewegung bringen). Zwar ist der Große Geysir heute nicht mehr aktiv, zu bestaunen ist dafür jedoch Strokkur, dessen kochende Wassersäule in 5-10 Minuten Intervallen bis zu 35 Meter Höhe erreicht. Das Spektakel des springenden Geysirs ist ohne Zweifel beeindruckend. Nicht weniger beeindruckend ist die Anzahl an Reisebussen, die täglich das vor kurzem errichtete Visitor Center ansteuert. Wir besuchen das Gebiet an einem eiskalten, windigen Dezembertag. Die meisten Schaulustigen gehen nach einem beobachteten Ausbruch zurück zum Visitor Center um sich aufzuwärmen. Wir sind zwar dick eingepackt, aber auch wir geben nach einer halben Stunde herumlaufen und fotografieren auf. Es ist einfach zu kalt. Es ist nicht ganz leicht hier ein wirklich schönes Foto „mitzunehmen“, doch als wir schon im Auto sitzen ändert sich plötzlich die Lichtstimmung und die Sonne kommt für einen kurzen Moment heraus. Das Gold glänzende Gras, die vielen rauchenden Quellen und der sich dahinter erhebende Vulkan Laugarfjall waren für mich beeindruckender als die Hauptattraktion des springenden Geysirs. Glücklicherweise lag unsere Unterkunft nur wenige Kilometer vom Geothermalgebiet entfernt, so dass ich nachts noch einmal kommen konnte. Mitten in der Nacht mussten wir die Geysire dann tatsächlich nur mit ein paar Nordlichtern teilen…

 

Der Wasserfall Gullfoss

Wenige Kilometer nach den Geysiren von Haukadalur erreicht man den Wasserfall Gullfoss. Auch hier zeigt sich ein ähnliches Bild. Man fährt auf der Straße 35, ein Schild zeigt „Sehenswürdigkeit rechts abbiegen“ und dahinter erhebt sich ein neu errichtetes Visitor Center mit Restaurant, Einkaufsmöglichkeiten und großem Parkplatz. Mit Naturerlebnis hat das im ersten Moment nicht besonders viel zu tun. Neben großen Reisebussen stehen kleinere Sprinter und ein paar aufgemotzte Jeeps mit gigantischen Reifen. Wir sind definitiv nicht die Einzigen hier. Ein bisschen so stelle ich mir ein Disneyland der Naturschauspiele vor. Wer fremde Menschen auf seinen Fotos nicht leiden kann, sollte seine Kamera gleich ganz zu Hause lassen.

Auf einem Holzsteg geht es bis zu einem Aussichtspunkt oberhalb des Wasserfalls. Und doch, wie die Wassermassen über treppenartige Kaskaden nach unten stürzen lässt mich schaudern. Zum einen vor Begeisterung, zum anderen fühlt sich die starke Gischt bei Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt verdammt kalt an. Je weiter man sich dem Wasserfall nähert, desto ruhiger wird die Gischt. Das Tosen des Wasserfalls ist ein Spektakel, keine Frage. Obwohl ich schon so einige Wasserfälle gesehen habe bin ich jedes Mal wieder aufs Neue begeistert. Ein kleiner Wehrmutstropfen sind dennoch die vielen Absperrungen rund um die Wege des Wasserfalls. Hier nicht drauf klettern, dorthin nicht gehen… Schade, meine Foto-Idee blieb mir somit verwehrt. Bei den Touristenmassen wird es wohl nötig sein.

 

Ein magischer Ort - Nationalpark Pingvellir

Über den Nationalpark Pingvellir hatte ich vor meinem Besuch, ehrlich gesagt, überhaupt keine Ahnung. Pingvellir ist einer der wenigen Orte Islands, die man nicht täglich auf Instagram vor der Nase hat. Der Ort mag nicht ganz so fotogen sein, wie Gullfoss, Kirkjufell und Skogafoss, er hat aber in gewisser Weise etwas Magisches: An dieser Stelle der Insel ist Geologie greifbar, erfahrbar, anschaulich. Im ersten Nationalpark Islands findet sich die Allmännerschlucht. Die Schlucht ist eine Grabenbruchzone, die wie eine Wunde aus dem Auseinanderdriften der eurasischen und der nordamerikanischen Platte entstanden ist. Statt zu heilen, vergrößert sich die Schlucht jedes Jahr um ein paar weitere Zentimeter. Mit einem Bein steht man in Europa, mit dem anderen in Amerika.

Auch historisch ist der Ort interessant. Für die Isländer fast schon von grundlegender Bedeutung. An diesem Ort trafen sich über Jahrhunderte jährlich die mächtigsten Menschen des Landes, die mit Pferden aus allen Landesteilen herbeigeritten kamen. Es ist der Ort der Staatsgründung, der Ort an dem die Isländer ihren alten Göttern abschworen und zum Christentum übertraten. Hier wurden Hexen hingerichtet, es wurde geheiratet, gehandelt und Gesetze verkündet. Weniges an diesem Ort erinnert heute an diese vergangenen Zeiten. Neben einer kleinen Kirche und ein paar angelegten Gehwegen gibt es kaum Spuren menschlicher Präsenz. Die Geschichten klingen ein wenig nach Märchen oder nach Game of Thrones. Gerade das macht den Ort so reizvoll.