Island bei Wind und Wetter: Ein Besuch auf der Halbinsel Snæfellsnes

Snæfellsnes ist eine Halbinsel im Westen Islands und wird Besuchern gerne als „Island im Kleinformat“ präsentiert. Hier sollte man auf jeden Fall gewesen sein, so heißt es in jedem Reiseführer. Und falls man nur zwei Tage Zeit hat für seinen Islandbesuch, dann lohne sich Snæfellsnes besonders gut um einen ersten Eindruck der Vielfalt Islands zu bekommen. Zusätzliche Bekanntheit erlangte die Halbinsel in den letzten Jahren zudem aufgrund des dort anzutreffenden ikonischen Bergs Kirkjufell. Wer auf Instagram aktiv ist, weiß um den Hype der um manche Orte entsteht.

 

Tagestour von Reykjavik

Ich verfolge beim Reisen meist eine einfache Devise: Je mehr Zeit, desto besser. Leider neigte sich unsere Zeit in Island bereits zur Neige und da wir zumindest noch einen Eindruck von Snæfellsnes bekommen wollten entschieden wir uns zu einer Tagestour.

Da wir bei Freunden in Reykjavik übernachteten war unser Ausgangsort für diese Tour diesmal Reykjavik. Von Reykjavik aus immer der Ringstraße (Nummer 1) Richtung Norden folgend erreicht man nach etwa 2 Stunden die Halbinsel. Die gesamte Umrundung inklusive Hin- und Rückfahrt sollte mit 6 Stunden Fahrzeit (ca. 450km) veranschlagt werden. Bei den vielfältigen Möglichkeiten auf der Halbinsel ist man mit einer oder mehr Übernachtungen vor Ort natürlich allemal besser dran.

 

Bei Wind und Wetter

Wir besuchten die Halbinsel Anfang Januar, wodurch die effektive Tageszeit doch sehr eingeschränkt war. Bei unserer Abfahrt in Reykjavik regnete es leicht, das waren wir von den letzten Tagen allerdings schon gewohnt. Das Wetter änderte sich hier schnell. Regen, Schnee, Hagel und Sonne an einem einzigen Tag war durchaus keine Seltenheit. Als wir an einem entlang der Straße liegenden Wasserfall Halt machten hatte es zwar aufgehört zu regnen, doch der Wind tat sein Bestes um keine Gemütlichkeit aufkommen zu lassen. Den Spruch „Türen festhalten“ hatte ich noch nie so oft gehört wie in den vergangenen Tagen in Island. Und tatsächlich „Die Versicherung übernimmt keine Schäden für durch Wind verursachte Schäden an den Türen“ stand sowohl in den Versicherungsunterlagen als auch explizit noch einmal im Auto. An diesem Tag ließ uns Island spüren was sie damit meinten. Ich beeilte mich ein paar Aufnahmen vom Wasserfall zu machen und Sprang wieder ins Auto. Zwar legten sich Wind und Regen immer mal wieder für kurze Zeit, doch die Wolken hingen den gesamten Tag über sehr Tief. Eine wirkliche Aussicht auf die umliegenden Berge blieb uns deshalb leider verborgen. Es hilft einfach nichts, da muss ich irgendwann noch einmal hin.

 

Die Südküste von Snæfellsnes

Unser nächster Stopp war die kleine Kirche von Budir. Einsam direkt hinter einer Düne neben dem Meer gelegen wirkt die schwarze Kirche unwirklich und fast schon etwas fehl am Platz. Fotografen haben die Kirche in den letzten Jahren mehr und mehr für sich entdeckt. Ihre schwarze Farbe und ihr minimalistisches Erscheinungsbild bilden einen tollen Kontrast zum oft bewölkten Himmel. Im Anschluss ging es einige Kilometer weiter nach Arnarstapi. Das Dorf Arnarstapi hat heute nur mehr zwei Einwohner, wie uns ein Mann erzählt. Die meisten Häuser scheinen über den Winter nicht genutzt zu werden. Ansonsten wird das ehemalige Fischerdorf heute von einem großen Hotelkomplex dominiert. Es gibt einen fest angelegten Spazierweg, welcher einen an die beeindruckenden Meeresklippen bringt. Auch ist entlang der angelegten Wege ein Spaziergang bis in den Nachbarort Hellnar möglich. Wir fahren noch ein Stück weiter bis zu den bekannten Klippen von Londrangar. Ein Halt lohnt sich hier auf jeden Fall. Mit dem Wind ist das Meer an diesem Tag aufschäumend, es wirkt geradezu bedrohlich. Nach langem Ausharren und Herumspazieren ist einem heute wirklich nicht zu Mute.

Zu Besuch in Ólafsvík

Wir fahren bis nach Ólafsvík, wo wir von einer Bekannten eingeladen sind und uns bei Kaffee, Weihnachtsgebäck und selbst gebackenem Brot aufwärmen können. Ólafsvík ist in diesem Teil der Halbinsel mit 1000 Einwohnern der größte Ort. Die Fischerei ist nach wie vor eine wichtige Einkommensquelle der Menschen und das Dorf hat seinen Fischerdorf-Charme noch erhalten. Mit den tief hängenden Wolken des heutigen Tages hat es zudem eine Art „Ende der Welt“-Flair, der mich ein wenig an die Stadt Ushuaia im äußersten Süden Patagoniens erinnert. Der Blick aus dem Küchenfenster reicht direkt übers Meer und ich kann meinen Blick kaum abwenden. Durch seine Lage am Fuße des Snæfellsjökull ist in Ólafsvík von November bis Februar keine Sonne zu sehen. Zur Rückkehr der Sonne Ende Februar wird schließlich ein großes Fest veranstaltet. „Kaum zu glauben“ denke ich mir. Der Lebensstandard auf dem Land ist hoch in Island, doch das klingt für mich nach einer anderen Welt.

 

Der ikonische Berg Kirkjufell 

Als wir in Ólafsvík aufbrechen dämmert es bereits und wir machen uns entlang des Nordwegs langsam auf den Rückweg. Viel zu kurz war die Tageszeit mal wieder, aber noch ist etwas Licht vorhanden. Der Wind schlägt nun kräftig gegen unser Auto. Bei starken Böen kann das Auto schon mal ungeplant die Fahrbahn wechseln und wir versuchen es deshalb langsam und mit Ruhe. Bei gutem Wetter muss die Landschaft hier traumhaft sein. An einigen Wasserfällen vorbei führt die Straße eingebettet zwischen Meeresküste und Bergen entlang. Wie aus dem Nichts tauchen Berge vor unserer Nase auf, bis wir plötzlich an einem Parkplatz ankommen und   neben einigen anderen Autos stehen bleiben.

Hier muss er sein. Wir laufen etwas in Richtung der vollständig vereisten Plattform oberhalb des in zwei großen Stufen herabfallenden Flusslaufs. Als ich mich am oberen Fall mit meinem Stativ positioniere beginnt sich der Nebel etwas zu lichten und der Kirkjufell erscheint aus den Wolken. Mir bleiben etwa drei bis fünf Minuten bevor es in Strömen zu regnen beginnt und der Kirkjufell vollständig von den Wolken verschluckt wird.

Eine Bergikone und ein Foto-Klassiker: Kirkjufell

Eine Bergikone und ein Foto-Klassiker: Kirkjufell